Tymmo-Kirche
Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Lütjensee

WELTGEBETSTAG




In Zeiten des Klimawandels und des unbedachten Umgangs mit Ressourcen hören wir den Ruf aus Surinam

„Gottes Schöpfung ist sehr gut.“

Schülerinnen und Schüler der Grundschule Lütjensee malten Bilder zur Schöpfungsgeschichte


Einige Zeilen aus der Rede „Wir sind ein Teil der Erde“, die dem Indianerhäuptling Seattle zugeschrieben wird. Er hat bei Verhandlungen mit dem amerikanischen Präsidenten 1855 seine Lebenseinstellung so ausgedrückt:

„Meine Worte sind wie die Sterne, sie gehen nicht unter. Jeder Teil dieser Erde ist meinem Volk heilig, jede glitzernde Tannennadel, jeder sandige Strand, jeder Nebel in den dunklen Wäldern, jede Lichtung, jedes summende Insekt ist heilig in den Gedanken und Erfahrungen meines Volkes. … Wir sind ein Teil der Erde, und sie ist ein Teil von uns. Die duftenden Blumen sind unsere Schwestern, die Rehe, das Pferd, der große Adler sind unsere Brüder. Die felsigen Höhen, die saftigen Wiesen, die Körperwärme des Ponys – und des Menschen – sie alle gehören zur gleichen Familie. … Lehrt eure Kinder, was wir unsere Kinder lehren: Die Erde ist unsere Mutter. Sie gehört nicht den Menschen, sondern der Mensch gehört zur Erde. Alles ist miteinander verbunden.“


Surinam, wo liegt das denn? Das kleinste Land Südamerikas ist so selten in den Schlagzeilen, dass viele Menschen nicht einmal wissen, auf welchem Kontinent es sich befindet.

Doch es lohnt sich, Surinam zu entdecken: Auf einer Fläche weniger als halb so groß wie Deutschland vereint das Land afrikanische und niederländische, kreolische und indische, chinesische und javanische Einflüsse. Die frühere niederländische Kolonie liegt im Nordosten Südamerikas, zwischen Guyana, Brasilien und Französisch-Guyana. Rund 90 Prozent des Landes bestehen aus tiefem, teils noch vollkommen unberührtem Regenwald. Umweltzerstörung und massiver Rohstoffabbau jedoch bedrohen die einzigartige Flora und Fauna.

Der Weltgebetstag am 2. März 2018 bietet Gelegenheit, Surinam und seine Bevölkerung näher kennenzulernen. „Gottes Schöpfung ist sehr gut!“ heißt die Liturgie surinamischer Christinnen, zu der Frauen in über 100 Ländern weltweit Gottesdienste vorbereiten. Frauen und Männer, Kinder und Jugendliche – alle sind eingeladen! Allein in Deutschland werden wieder hunderttausende Besucherinnen und Besucher erwartet.

Ein Zeichen globaler Verbundenheit sind die Kollekten und Spenden zum Weltgebetstag, die Mädchen und Frauen weltweit stärken. Neben der Arbeit von Partnerorganisationen in Afrika, Asien, Europa, dem Nahen Osten und Lateinamerika, werden mit den Geldern zum Weltgebetstag 2018 auch drei Projekte in Surinam unterstützt.

Lisa Schürmann, Weltgebetstag der Frauen – Deutsches Komitee e.V.













Beim Weltgebetstag in der Tymmo-Kirche ...

bekam eine Reporterin drei "philippinische Frauen" vors Mikrofon und die schilderten freimütig ihre Lebensverhältnisse und dokumentierten damit, dass es in ihrem Land alles andere als fair zugeht.

Es wurde klar, wie wichtig das Engagement der zahlreichen internationalen Hilfsorganisationen ist, die mit gezielten Projekten und Aktionen der armen Bevölkerung zur Seite stehen. Die Kollekte in unserem Gottesdienst betrug 271,- Euro.






Die Kollekte ist seit jeher ein wichtiger Bestandteil jeder Gottesdienstfeier zum Weltgebetstag. Sie ist ein sichtbares Zeichen weltweiter Verbundenheit und Solidarität. Über die Verwendung der Kollekten entscheidet jedes nationale Weltgebetstagskomitee eigenständig.

Der Großteil der Kollekten der Weltgebetstagsgottesdienste in Deutschland kommt Frauen- und Mädchenprojekten auf der ganzen Welt zugute. Seit 1975 konnten so über 6.000 Projekte in rund 150 Ländern weltweit mit ca. 69 Mio. € unterstützt werden.

Wie hoch war die Kollekte des Weltgebetstags 2016 aus Kuba?

Für den Weltgebetstag 2016 (Kuba) sind Kollekten in Höhe von mehr als 2,67 Mio. Euro bei uns eingegangen. Davon wurden im Jahr 2016 u.a. insgesamt 54 Frauenprojekte in 24 Ländern weltweit gefördert. Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Spenderinnen und Spendern - auch im Namen unserer Projektpartnerinnen! Eine detaillierte Darstellung der Erträge und Aufwendungen finden Sie unter:

http://weltgebetstag.de/images/kollekte/jahresbericht2016-stand-2017-02-16.pdf


Zum Weltgebetstag 2017

„Was ist fair?“ fragen uns die philippinischen Frauen heute am Weltgebetstag. Drei von ihnen berichteten vorhin aus ihrem Leben. Merlyn erzählte von den über 2 Millionen Hausangestellten, die viel zu oft ausgebeutet werden und unter illegalen Bedingungen arbeiten. Celia arbeitet als Tagelöhnerin auf einer Zuckerrohrplantage und bekommt dort nicht genug, um ihre Familie zu ernähren. Sie ist darauf angewiesen, als Straßenverkäuferin zusätzlich etwas zu verdienen. Die Witwe Editha hat durch einen Taifun ihre Existenzgrundlage verloren. Staatliche Hilfe hat sie noch nicht erhalten. Ich vermute, ihr seid mit mir der Meinung, dass der Alltag dieser Frauen nicht gerade von Fairness und Gerechtigkeit geprägt ist. Es gibt zwar Gesetze, die Menschenrechte schützen und Arbeitsbedingungen regeln, aber sie werden nicht in die Tat umgesetzt. Das Vertrauen in das Rechtssystem ist in der Bevölkerung tief erschüttert.

Die Frauen der Philippinen lenken unsere Aufmerksamkeit auf ein Gleichnis Jesu, das auch von Arbeit und Entlohnung handelt. Der Besitzer eines Weinbergs stellt Arbeiter ein. Die ersten früh am Morgen, weitere im Laufe des Tages und einige sogar erst gegen Abend. An diesem Tag haben alle, die Arbeit suchten, eine Stelle bekommen. Bei der Lohnzahlung gibt es eine riesen Überraschung: Alle bekommen denselben Lohn, egal ob sie den ganzen Tag oder nur eine Stunde gearbeitet haben. Ist das fair? haben wir uns in unserer Vorbereitungsgruppe gefragt. Nein, es ist ungerecht gegenüber den ersten, die den ganzen Tag über gearbeitet haben. Wahrscheinlich würde der Weinbauer in Zukunft am Morgen keine Arbeiter mehr finden, wenn sich seine Art der Entlohnung herumgesprochen hat. Arbeitssuchende würden erst kurz vor Feierabend erscheinen, um für eine kurze Arbeitszeit den vollen Lohn zu kassieren. Ja, wir konnten den Groll der ersten Arbeiter verstehen. Wir waren uns einig darüber, dass das Verhalten des Arbeitgebers nicht von Gewerkschaften akzeptiert würde und überhaupt nicht in ein System von Tarifabschlüssen passen würde. Es hat mit dem realen Arbeitsmarkt nichts zu tun. Wir schauten weiter in den Text. Der Weinbergbesitzer muss sein Handeln rechtfertigen. Hat er gerecht gehandelt? Er zahlt jedem ein Silberstück. Das war zur Zeit Jesu so viel, wie man brauchte, um seine Familie einen Tag lang zu ernähren. Er will alle Arbeiter versorgt wissen, darum bekommen auch die letzten den ausgemachten Tageslohn. Ja, er ist großzügig. Er denkt nicht in den Kategorien einer Leistungsgesellschaft. Sein Ansatz ist ein anderer. Ihm ist wichtig, dass alle ihr Auskommen haben, dass niemand hungert oder Not leidet.

Die Gleichnisse vom Reich Gottes im Neuen Testament, zu denen unser Text gehört, sind auf die Zukunft gerichtet. Auch Jesus, der sie erzählt hat, wusste, dass die Welt seiner Zeit noch nicht so war, wie in den Gleichnissen dargestellt. Aber er wollte uns neue Perspektiven eröffnen, die unser Denken und Handeln verändern sollten.

Doch es bleibt die Frage: Kann ich als Einzelne überhaupt etwas ausrichten? Selbst wenn ich mein ganzes Geld für Notleidende weggeben würde, wäre an dem Ungleichgewicht unserer Welt nichts Wesentliches geändert. Ich denke, es ist besser, gemeinschaftlich etwas zu tun. Ein Beispiel aus den Philippinen: Dort ist es üblich, beim Pflanzen und Ernten von Reis die Nachbarschaft um Hilfe zu bitten. Niemand wird dafür bezahlt, aber alle bekommen etwas von der Ernte. Diese Tradition wird Dagyaw genannt. Dagyaw hilft, eine gute Gemeinschaft aufzubauen und zu erhalten. Von den Früchten der Ernte etwas abgeben, nicht alles für sich behalten. Dieser Gedanke ist häufig der Auslöser, sich sozial zu engagieren. Manche Menschen können mit finanziellen Mitteln eine Stiftung, einen Verein gründen, manche gestalten ihre freie Zeit so, dass noch viel für andere übrig bleibt, helfen und unterstützen dort, wo es notwendig ist. In welcher Weise auch immer.

Eine gerechte Gesellschaft, eine gerechte Welt – das wird wohl noch lange ein Traum bleiben. Die Waage der Gerechtigkeit ist immer noch nicht im Gleichgewicht, und oft sieht es so aus, als würden sich Ungerechtigkeiten noch verschärfen. Aber jeder und jede von uns kann dazu beitragen, dass sich etwas zum Guten verändert.

Ich möchte in diesem Zusammenhang auf zwei Organisationen hinweisen, die sich für die Rechte der Kinder auf den Philippinen einsetzen. Dort leben etwa 1,5 Millionen Kinder auf der Straße, allein gelassen und auf sich selbst gestellt. Mädchen, erst 10 Jahre alt, bieten in den Rotlichtvierteln der großen Städte ihre Dienste an. Viele Kinder landen wegen Bagatelldelikten im Gefängnis. Zusammen mit erwachsenen Straftätern sitzen sie in überfüllten, unhygienischen Räumen und werden oft zu Opfern psychischer und physischer Gewalt. Die PREDA-Stiftung und der Verein „Tatort – Straßen der Welt e. V.“, der von den beiden bekannten Schauspielern Dietmar Bär und Klaus J. Berendt gegründet wurde, machen auf diese unhaltbaren Zustände aufmerksam. Sie arbeiten mit Fachkräften wie Sozialarbeitern, Ärzten und Anwälten zusammen und befreien mit Hilfe örtlicher Behörden Kinder aus Gefängnissen. Sie sorgen dafür, dass Kinder ein Zuhause bekommen.

Das sind Beispiele dafür, wie Menschen mit Engagement helfen, gerechte Lebensbedingungen zu schaffen. Gerechtigkeit entsteht nicht von allein. Sie ist ein sehr  fragiler Wert. Wir müssen genau hinschauen und uns einsetzen mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen. G. R.



„Was ist denn fair?“

Globale Gerechtigkeit steht im Zentrum des Weltgebetstags von Frauen der Philippinen

„Was ist denn fair?“ Diese Frage beschäftigt uns, wenn wir uns im Alltag ungerecht behandelt fühlen. Sie treibt uns erst recht um, wenn wir lesen, wie ungleich der Wohlstand auf unserer Erde verteilt ist. In den Philippinen ist die Frage der Gerechtigkeit häufig Überlebensfrage. Mit ihr laden uns philippinische Christinnen zum Weltgebetstag ein. Ihre Gebete, Lieder und Geschichten wandern um den Globus, wenn ökumenische Frauengruppen am 3. März 2017 Gottesdienste, Info- und Kulturveranstaltungen vorbereiten.

Die über 7.000 Inseln der Philippinen sind trotz ihres natürlichen Reichtums geprägt von krasser Ungleichheit. Viele der über 100 Millionen Einwohner leben in Armut. Wer sich für Menschenrechte, Landreformen oder Umweltschutz engagiert, lebt nicht selten gefährlich. Ins Zentrum ihrer Liturgie haben die Christinnen aus dem bevölkerungsreichsten christlichen Land Asiens das Gleichnis der Arbeiter im Weinberg (Mt 20, 1-16) gestellt. Den ungerechten nationalen und globalen Strukturen setzen sie die Gerechtigkeit Gottes entgegen.

Ein Zeichen globaler Verbundenheit sind die Kollekten zum Weltgebetstag, die weltweit Frauen und Mädchen unterstützen. In den Philippinen engagieren sich die Projektpartnerinnen des Weltgebetstags Deutschland u.a. für das wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Empowerment von Frauen, für ökologischen Landbau und den Einsatz gegen Gewalt an Frauen und Kindern.

Lisa Schürmann, Weltgebetstag der Frauen – Deutsches Komitee e. V.

Die Kirchengemeinde Lütjensee lud zu folgenden Veranstaltungen rund um den Weltgebetstag ein: Zur Vorbereitung des Gottesdienstes gab es drei Treffen im Gemeindesaal, Möhlenstedt 3 am 06.02., 13.02. und 20.02. jeweils um 19 Uhr. Man beschäftigte sich mit der Gebetsordnung und dem Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg. Am Freitag, 24.02.2017 um 15 Uhr fand im Gemeindesaal ein Informationsnachmittag statt. Hier wurden Bilder von den Philippinen gezeigt und über Land und Leute berichtet. Bei Kaffee, Tee und Kuchen gab es auch Zeit für Gespräche. Am Freitag, 03.03.2017 war der Gottesdienst. Der Tymmo-Singkreis unter der Leitung von Mario Westphal hatte die überwiegend unbekannten Lieder eingeübt, sodass sich beim Singen der oft heiteren Melodien im Gottesdienst die gewohnte "Weltgebetstagsstimmung" einstellte.